Eigentlich hatte ich beschlossen, als aktiver Nutzer aus dem Internet zu verschwinden, und dementsprechend meinen Twitter - Account und meine beiden Blogs platt gemacht.... Da es aber sein könnte, ich wollte dennoch noch einmal etwas sagen, wurde "Tiniaden" aus dem Winterschlaf erweckt und steht nun zur gelegentlichen, seltenen Verwendung wieder zur Verfügung. Allerdings soll der Zeitaufwand sich in engen Grenzen halten. Rezensionen z.B. wird es von mir nicht mehr geben - ich nutze die Zeit lieber zum Lesen (gerade Walsers "Angstblüte").
Derweil habe ich einige Lücken in meiner Bibliothek schließen können : Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg", eine Fauser - Werkausgabe, "The History of Sir Charles Grandison" von Samuel Richardson - allerdings nicht in der gewünschten Ausgabe - und - als Zeugnis meines bibliomanischen Wahnsinns - die hundertbändige Ausgabe der Romane Jules Vernes sind nun mein und forcieren die schon bestehenden Lagerungsprobleme....
Ein Blog lebt auch von seinen Kommentaren, zumindest wenn die Inhalte solche begünstigen oder erlauben. Mein Hauptblog hat ab und an welche aufzuweisen, auch wenn es denn doch eine gewisse Konsumhaltung begünstigen mag.
Ich habe unterschiedliche Arten von Kommentaren und Kommentatoren festgestellt, die ebenso unterschiedlich das Bloggerherz beglücken - oder auch nicht :
1. der automatisch aussortierte Spam - akismet ist da zuverlässig.
2. der dilettantische, per Hand und Kommentator - URL betriebene Spam, der sich mit nichtssagendem Lob erschöpft.
3. Die Feststellung übereinstimmender Meinungen zu einem Buch oder aber abweichender Einschätzungen. Das kann bis zur Gegenrezension gehen.
4. emotional sehr befriedigend : Das Lob der Qualität des Blogbeitrages
5. als Perle : die inhaltliche Auseinandersetzung mit einigen in der Rezension aufgestellten Thesen.
Bei den Höhepunkten 4 und 5 weiß man, warum man öffentlich rezensiert und wozu die Kommentarfunktion dienen kann.
Wenn man eine recht ausführliche Blogroll hat, bleibt es nicht aus, daß man ab und an kontrolliert, ob ein gelistetes Blog noch existiert. Und dann feststellt, ein Blog, das man für eine Art Institution hielt und das wesentlich mehr Besucher als das eigene hatte, ist inzwischen gelöscht. In diesem Fall war es "Buchhändleralltag und Kundenwahnsinn". Obwohl es einige Jahre existierte, erscheint es doch als eine eher flüchtige Erscheinung, flüchtig wie das Internet selbst. Vielleicht ist diese Empfindung unangemessen, und es ist nicht sinnvoll, Maßstäbe wie das Wohnen in derselben Wohnung (seit 15 Jahren) anzuwenden, aber dennoch flirrt einem der Begriff "schnellebig" durch das Hirn.
Bedauerlich finde ich das Verschwinden in diesem Falle nicht. Das Ende hatte sich angekündigt, Unlust, persönliche Umwälzungen hatten ein Ende angedeutet, inhaltlich - trotz einiges Schmunzelns - fand ich das Blog eher bedenklich, denn die Betreiberin, eine Buchhändlerin aus dem Norden, übte sich darin vor allem in der Kunst der Kundenbeschimpfung und ließ vollkommen außer acht, daß es genau deswegen ausgebildete Buchhändler gibt : um die möglichen Wissenslücken der Kunden zu kompensieren und mit fachlichem Rat Assistenz zu leisten. Buchhandel gilt als eine Branche, in der die Hemmschwelle, ein entsprechendes Ladengeschäft zu betreten, relativ hoch und ausgeprägt ist, das Sich - Mokieren über verdrehte Autor - oder Titelangaben wird diese eher erhöhen, auch wenn sich eine recht große Gemeinde fand, die sich an solch alltäglichen Fehlleistungen ergötzen konnte. Die Betreiberin ist nun dem Vernehmen nach auf die Verlagsseite gewechselt und wird mit Kunden zukünftig nichts mehr zu tun haben. Das ist gut - für die Kunden und auch für sie. Das Ende des Blogs allerdings sehe ich dennoch mit einem lachenden und einem tröpfelnden Auge....
Es tröstet. Mein Ausstieg aus Bloggerwelt blieb weder unbemerkt, noch rief er höchstens Achselzucken hervor....
Es scheint immer noch interessant, was ich lese und was ich über die Lektüre denke. Dem will ich entgegenkommen, jedoch ohne mich wieder in den Arbeitszwang meines ursprünglichen Rezensionsblogs "ReadingEase" einfügen zu wollen. Vier Stunden für jeden Eintrag war ein Aufwand, der mir letzthin immer weniger bekam und meine Lesezeit verkürzte. So wage ich diesmal eine Art "SMB" - Short Messaging Blog - der nicht vollkommen monothematisch regelmäßig Lebenszeichen aussendet.