Lektüre 26.06.09
Ömer verliebt sich während einer Fahrt auf einer Fähre über den Bosporus unsterblich und auf den ersten Blick in eine junge Frau. Die Kontaktaufnahme gestaltet sich wider Erwarten einfach, da Macide sich in Begleitung von Ömers Tante befindet, in deren Wohnung sie während ihres Studiums untergekommen ist. Ömer allerdings ist nicht unproblematisch : orientierungslos treibt er durch Istanbul, folgt jedem seiner Impulse zum Guten wie zum Schlechten, vernachlässigt Studium und Arbeit. Dennoch kommen beide zusammen, und Ömer fühlt sich das erste Mal mit sich im Reinen. Doch der Dämon in ihm, befeuert durch den Geldmangel, falsche Freunde bricht sich bald wieder Bahn. Er vernachlässigt nun auch Macide, trinkt, treibt sich herum und scheut auch nicht vor Straftaten zurück. Seine Versuche, dagegen anzukämpfen scheitern immer wieder schnell, aber immerhin ist er sich seiner nicht geringen Schwächen bewußt. Macide, die sich zu einer selbständigen und selbstbewußten Frau entwickelt, hält ihm zunächst die Stange, doch irgendwann ist auch ihre Duldsamkeit zuende. Durch die Umtriebe von Ömers Freund Nihat, der sich politisch am rechten, nationalistischen Rand bewegt, kommt Ömer ins Gefängnis...."Der Dämon in uns" ist ein autobiographisch beeinflusster, realistischer Roman, der es versteht, nicht nur Istanbul zum Ende der dreißiger Jahre, das gesellschaftliche Klima in der Türkei abzubilden, sondern einen eindrücklichen Blick in das Seelenlebenvor allem des Protagonisten zu werfen. Gerade Ömers Äußerungen wirken in ihrem Überschwang manchmal allzu pathetisch, sind aber der Zeit und dem Charakter des Anti - Helden geschuldet. Liebesgeschichte und Charakterbild in einem, vermag der Roman zu fesseln und zu bewegen.
Sabahattin Ali : Der Dämon in uns
tinius - 2. Jul, 15:06

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