Friedrich Nietzsche : Das trunkene Lied




Das trunkene Lied

O Mensch! Gib acht!
Was spricht, die tiefe Mitternacht?
"Ich schlief, ich schlief -,
Aus tiefem Traum bin ich erwacht: -
Die Welt ist tief,
Und tiefer als der Tag gedacht.
Tief ist ihr Weh -,
Lust - tiefer noch als Herzeleid:
Weh spricht: Vergeh!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
- Will tiefe, tiefe Ewigkeit!"

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)

Gelesen von : Fritz Stavenhagen
C. Araxe - 2. Mrz, 02:04

Ach ja, zwangsweise gern zitiert.

tinius - 2. Mrz, 02:12

Wo lag der Zwang ? Ich mag es - und für den flüchtigen Augenblick des Jetzt entspricht es einem Gefühl und auch einem ästhetischen Verlangen. ;)
C. Araxe - 2. Mrz, 02:21

Zwangsweise, wenn man gar nicht anders kann, als diese Zeilen zu rezitieren, weil man es selbst gar nicht besser in Worte fassen kann, was noch das geringste Dilemma ist. Die Ästhetik mag bittersüß klingen, wenn es sich um ein reines Gedankenkonstrukt handelt. Weht der Odem des Lebens hinein, ist es nur noch Messer. Auch wenn dem ebenfalls Süße abgewonnen werden kann.
tinius - 2. Mrz, 02:29

Aber argumentiert er hier nicht, daß Lust noch tiefer als jedes Leid - als jedes Weh - sei ? Aber die Begründung gefällt mir. :)
C. Araxe - 2. Mrz, 02:38

Hm, eher unerfüllbare Tiefe.
Oder der Wunsch nach erfüllbarer Tiefe.
tinius - 2. Mrz, 02:55

Die Tiefe scheint mir in diesen Versen eher unausweichlich zu sein - in Lust, Leid und Existenz. Sie wäre damit janusköpfig und vielleicht in jedem Falle schmerzhaft.
C. Araxe - 2. Mrz, 03:02

Naja, ganz so einfach ist das nicht. Immerhin liegen Schmerz und Lust rein rezeptorisch sehr nah beieinander bzw, sind sind sie identisch.
Sprich = es gibt da keinen Unterschied.
tinius - 2. Mrz, 14:59

Ich bezweifle, daß Nietzsche die physiologischen Tatsachen gemeint haben könnte ....
C. Araxe - 3. Mrz, 02:24

Schmerz kann nicht nur physiologisch empfunden werden.
lou-salome (Gast) - 2. Mrz, 12:17

Hallo Tinius,
Gedanken fliegen in meinem Kopf nur so herum, wenn ich Gedichte lesen, die wie dieses soviel ausdrücken.
Verszeilen, die Nietzsche in meinen Augen zu einem grandiosen Dichter machen, der Philosoph als Lyriker. Nietzsche in Hochform.

Habe mal im Bücherschrank den alten Nietzsche meines Schwiegervaters herausgeholt. Eine „Liebhaberausgabe“ steht dort auf der letzten Seite aus dem Jahr 1937. Sogar von wem das Papier angefertigt wurde, wird festgehalten.
( Das trunkene Lied finde ich auf Seite 362 im vierten Teil des „Also sprach Zarathrustra“).

Tiefe und Ewigkeit, Leid und Glück. Wie schreibt er im „Trunkenen Lied“, 11, :
„Das Glück fordert das Leid“. Wie wahr.
Mit dem von Ihnen zitiertem Rundgesang schließt er dieses Kapitel.

Gedankensplitter von mir: Und wie er Tiefe ausdrückt: „... tiefer als der Tag gedacht...“, „... will tiefe, tiefe Ewigkeit!“ Wie eine Hymne mutet dieses Gedicht an.

Im ersten Abschnitt des trunkenen Liedes beschwört Nietzsche den Glauben an die Zukunft und nach dem Satz: „ Meine Freunde insgesamt“, sprach der häßlichste Mensch, „was dünket euch? Um dieses Tags willen – ich bin's zum ersten Male zufrieden, daß ich das ganze Leben lebte....“
will ich als Leserin mehr wissen und Nietzsches Gedanken fühlen. Ich werde das Buch mal nicht zurückstellen, soll die leere Stelle im Regal ruhig zustauben :).
Danke für die Anregung! LG l-s

tinius - 2. Mrz, 14:58

Ich freue mich immer, wenn mein Blog wenigstens minmale Wirkungen hat. Ich muß gestehen, daß ich Nietzsche wenig kenne und diese Passage nur als adäquat für meine Stimmung der letzten Woche und der letzten Nacht empfand. Ich streife meist durch eine Lyrikdatenbank und lasse mich inspirieren (manchmal beschränke ich mich auf den "Bildungsaspekt", meist versuche ich, einen Gleichklang zwischen Stimmung und Blogeintrag herzustellen. LG tinius
lou-salome - 2. Mrz, 22:33

Auch ich bin keine Nietzsche-Kennerin, würde ich sehr gerne und bin deshalb dabei, ihn mir mit der Zeit zu erlesen und zu verstehen. Ob mir das irgendwann einmal gelingen wird?
Ja, und ich lese wirklich gerne diese Seiten hier. :)

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typhaeus - 8. Mrz, 20:49

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