Aus gegebenem Anlaß : Rezensionsexemplare
Blogzeit 110911 in den unendlichen Weiten des Internet nahe der Galaxie Warenwelt mit einem Klasse - Buch - Planeten : Logbuch des Buchblogs :
e-mail einer fremden Lebensform wird auf dem Hauptschirm sichtbar. Die unbekannte Lebensform identifiziert sich als Autor und wünscht Rezension eines von ihm verfassten Buches, das allerdings nicht in die von mir bevorzugte Kategorie zu rechnen ist, sondern eindeutig in meine Definition von Genreliteratur fällt, die mich allenfalls am Rande zu interessieren vermag. Dies ist so auch in einer Seite zu der Annahme von Rezensionsexemplaren deutlich vermerkt. Bevor ich antwortete, habe ich erst einmal Verlag - mir bekannt - Autor - unbekannt und Debütant - und Buch recherchiert. Dabei stieß ich dann bei a*ma*zon auf zwei Kundenrezensionen, die bezeichnenderweise mit "anonym" und "anonymous" gekennzeichnet waren und das Buch gut bewerteten. Beide Rezensenten waren noch nicht bzw nur mit einer weiteren Rezension eines Buches desselben Verlages in Erscheinung getreten, boten außer einer Inhaltsangabe kaum Anhaltspunkte für eine Wertung und ließen mich stark vermuten, sie seien entweder vom Verlag oder der zuständigen PR - Agentur veröffentlicht worden. Dementsprechend deutlich fiel meine Antwort an den Autor aus : ich nähme gern das Rezensionsexemplar entgegen, würde es auch rezensieren, allerdings könne er mit einer Gefälligkeitsrezension nicht rechnen. Ähnliches steht auch in meinen Richtlinien zur Annahme von Rezensionsexemplaren, ich habe es im Anschluß an diesen Kontakt noch einmal deutlicher gefasst. Erwartungsgemäß verzichtete der betreffende Autor dann doch auf meine Mitwirkung...
Ich wäre jetzt nicht ich, wenn ein solches Geschehen nicht einige allgemeinere Gedankengänge beförderte :
Vor ein, zwei Tagen gab es die Meldung, daß ein Spiele - Software - Hersteller ein Spiel an eine Computerspiel - Zeitschrift nur herausgeben wolle, wenn das Testurteil entsprechend positiv ausfiele. Das Buch "Kaufen ! statt Lesen!" von Gunther Nickel beschäftigt sich - allerdings nur im Ansatz - mit einem ähnlichen Phänomen im literarischen / feuilletonistischen Betrieb, gibt ansonsten allerdings eher ein Protokoll einer Konferenz vom 27.3.2004 "Literaturkritik. Zukunftsaussichten eines alten Gewerbes", die sich speziell mit Kundenrezensionen bei online - Buchhändlern beschäftigt. Dennoch bleibt die Grundfrage hoch interessant : inwieweit darf / soll Literaturkritik unabhängig sein, darf es Rezensionsexemplare geben, die an Wohlverhalten geknüpft werden, und ist Markterfolg - egal zu welchem Preis - alles. Welche Zusammenarbeit kann es noch mit Verlagen, Autoren oder PR - Agenturen geben, wenn die journalistische / bloggende Unabhängigkeit derart gefährdet scheint ?
Ich denke, es ist nicht abwegig, zu behaupten, allein die Platzierung einer Rezension im Netz oder in einer Zeitung, befördert die allgemeinen Zwecke des Buchmarketings, denn der Titel wird wahrgenommen, bei den etwas ausführlicheren Rezensionen beschäftigt sich der Leser auch weitergehender mit den Inhalten, Thesen und Herangehensweisen eines Autors und könnte - selbst bei einer negativen Wertung des Rezensenten - animiert werden, sich selbst anhand des Originaltextes mit einem Buch auseinanderzusetzen. Das allerdings setzt Relevanz des Mediums / des Rezensenten voraus, Verläßlichkeit und eine Grundlage an Vertrauen zu seinen Aussagen. Wo Buch - PR mehr - oder eigentlich : weniger - will, gerät das Unternehmen Buchkritik in eher problematisches Fahrwasser, denn schnell wird der Rezensent zum Jubelperser degradiert, Feuilleton - oder Blogleser für dumm verkauft. Ich kann mir durchaus intelligente Steuerungsmechanismen denken, die auch Zeitungskritiker in der einen oder anderen Weise beeinflussen könnten, etwa durch gezielte Zuordnung von Titeln zu bestimmten Medien oder Rezensenten, deren Vorlieben und Aversionen man eruiert hat, den Tausch Rezensionsexemplar gegen Meinung dürfte es aber in nennenswerter Weise bei etablierten Feuilletons nicht geben. Ich lasse mich aber gern eines besseren belehren, die Praxis, komplette Ratgeberartikel von durch Anbieter beauftragte PR - Unternehmen zu übernehmen, läßt da mögliche Entwicklungen vorausahnen.
Online scheint es da direkter zur Sache zu gehen. Schon die Verlinkung zu bestimmten online - shops sehe ich eher kritisch, denn schon da stößt man an die Grenzen der Unabhängigkeit, überschreitet sie aber nicht zwangsläufig. Größere Buchplattformen werden ohne Partnerprogramme schwerlich überleben können, bei kleinen Blogs, die entweder bei Gratis - Angeboten oder für wenig Gels gehostet werden können, sehe ich die Notwendigkeit einer Refinanzierung nicht wirklich. Konsequenterweise - beim Anbieter meines Hauptblogs ist eine kommerzielle Nutzung jeder Art nicht gestattet - bezahle ich dort sogar, um Nutzern den Anblick von durch den Anbieter geschalteter Adsense - Werbung zu ersparen.
Jeder freut sich, wenn ein Verlag an einen herantritt, um ein Rezensionsexemplar anzudienen, denn im günstigsten Fall erhält man als Rezensent ein Buch, mit dessen Kauf man eh schon liebäugelte oder dessen Inhalt einem entgegenkommt. Darauf scheinen vor allem kleinere Verlage, BoD - oder Eigenverlage zu spekulieren und das vermutlich nicht zu Unrecht. Das allerdings möchte ich auch darauf zurückführen, daß Buch - bzw. Rezensionsblogs eher nicht als ernstzunehmend wahrgenommen werden. Ich denke, mit genug Klinkenputzen bei den wichtigeren Verlagen, könnte man als regelmäßiger, ernsthafter Blogrezensent auch von größeren Verlagen Rezensionsexemplare unter Einhaltung der ethischen Norm - journalistische, inhaltliche und zeitliche Unabhängigkeit - erhalten, doch liegt es mir fern, betteln zu gehen.
Ansprechender sind für Verlage in jedem Falle Fans, etwa bestimmter Autoren oder Subgenres (Fantasy, besser noch All - Age - Fantasy, chicklit), die eher unkritisch in Büchern versinken, sinnlose Zitate aneinanderreihen und sie für Ergüsse höchster Weisheit oder mindestens für verlustfreie Spiegelungen ihres inneren Selbst halten. Lesen - egal welcher Mist da konsumiert wird - ist ein Wert an sich, es fehlen oft genug allein schon Belesenheit und kritischer Abstand, um überhaupt relevante Urteile über die Qualität von Büchern zu fällen. Ein weiteres Positivum ist die Ballung von Gleichgesinnten in solchen Blogs oder auch Foren, die sich gegenseitig bestärken, in ihren eigenen Blogs Werbung weitertragen und höchstbefriedigt seufzen. Man macht es da einfach, übernimmt oft genug - unter Umgehung aller Urheberrechte - Klappentexte oder amazon - Inhaltsangaben und fügt eine kaum fundierte, immer aber eher emotionale Bewertung dazu, bekommt dafür sehnsüchtige Kommentare - will auch, will auch - und fertig ist ungetrübtes Marketing vom Feinsten...
Will man das steigern, gründet man als Verlag eine Art von Leser / Rezensentenclub, lost regelmäßig für Kurzeindrücke Leseexemplare aus, die dann rezensiert werden sollen (Extrapunkte für schwarmartige Verbreitung auf anderen Plattformen wie eigenen Blogs oder in Foren).
Die Überlegung - und das zeigt ja auch a*ma*zon - ist im Grunde vom Marketinggesichtspunkt nicht verkehrt. Durch ernsthafte Literatur und ernsthafte Kritik werden nur Minderheiten, eher besser gebildet, literarisch vorgebildet und mit intellektuellerer Herangehensweise, wirklich angesprochen, dementsprechend ist das im Feuilleton widergespiegelte Marktsegment eher ein kleiner Ausschnitt der alljährlichen Buchproduktion, aber auch der eigentlich kaufenden und konsumierenden Leserschicht. Es wäre vermutlich auch nicht viel gewonnen, nähme sich das hochoffizielle Feuilleton solcher wackerer Kämpen wie Hohlbein, Heitz, Stephenie Meyer. Pilcher oder Evanovich an und zerisse sie gemütlich in der Art von Schecks Schnelldurchlauf durch die Bestsellerlisten, denn Fans und Leser mit betont emotionalem Zugang zu ihren eskapistischen Märchenreichen nähmen das entweder überhaupt nicht wahr oder filterten die für sie entstehenden Mißtöne schlicht aus.
Man kann daraus schließen, daß ich von den wenigsten Buchblogs oder auch Buchforen viel halte. Natürlich gibt es in jedem Forum eine erkleckliche Anzahl von Lesern, die sich um Relevanz in ihren Äußerungen bemüht (in einem der von mir besuchten Foren mögen es maximal 10 Prozent sein, eher weniger) und ähnlich düster sieht meine Einschätzung bei den unzähligen Bücher - und Rezensionblogs aus. Und hier schließt sich der Kreis dann doch, denn im Rahmen solcher Einschätzungen scheinen auch Autoren, PR - Menschen und Verlage ihre Aktivitäten zu streuen und eben unkritisches Entgegenkommen einzufordern. Buchblogs der genannten Art haben in meinen Augen, gerade für deren BetreiberInnen und LeserInnen womöglich eher soziale, sozialisierende Funktionen, weniger aber eine (hoch)kulturelle, die dem feuilletonistischen Ansatz - auch im Internet zu eigen sein müßte und meiner Einschätzung nach auch sollte. Dennoch will ich deren Existenz nicht generell in Frage stellen (meine Bloglist im Hauptblog listet sie unterschiedslos auf), doch mögen sie nicht zum Maßstab genommen werden, was Blogs und andere Plattformen im Umgang mit Büchern zu leisten vermögen und auch leisten sollten.
Man möge aus meiner Tirade nicht schließen, daß "ReadingEase" das beste aller möglichen Rezensionsblogs oder derartiger Internetprojekte sei, aber ich denke schon, es gehört zu den besseren (zu denen auch einige, wenige amazon - Rezensenten zu zählen wären). ;) Doch sind sie zu wenige, um gegen die schwätzende Flut der marketingkonformen, eher nichtssagenden Blogs anzukommen, zumal ja auch die Strategie der Verlage - und Buchhandlungen sich immer mehr von der Schaffung und dem Vertrieb kultureller Güter zur Gewinnmaximierung ändert.
Im Moment werde ich - nach Rücksprache - weiterhin Rezensionsexemplare annehmen, allerdings jede Rezension eines solchen Buches kennzeichnen. Sollten sich aber derartige unsittliche Angebote häufen, werde ich die Zusendung generell und strikt verweigern. Nötig hätte ich kostenlose Bücher nicht, allein den ungelesenen Bestand zu Rezensionen zu verarbeiten, nähme Jahrzehnte in Anspruch....
e-mail einer fremden Lebensform wird auf dem Hauptschirm sichtbar. Die unbekannte Lebensform identifiziert sich als Autor und wünscht Rezension eines von ihm verfassten Buches, das allerdings nicht in die von mir bevorzugte Kategorie zu rechnen ist, sondern eindeutig in meine Definition von Genreliteratur fällt, die mich allenfalls am Rande zu interessieren vermag. Dies ist so auch in einer Seite zu der Annahme von Rezensionsexemplaren deutlich vermerkt. Bevor ich antwortete, habe ich erst einmal Verlag - mir bekannt - Autor - unbekannt und Debütant - und Buch recherchiert. Dabei stieß ich dann bei a*ma*zon auf zwei Kundenrezensionen, die bezeichnenderweise mit "anonym" und "anonymous" gekennzeichnet waren und das Buch gut bewerteten. Beide Rezensenten waren noch nicht bzw nur mit einer weiteren Rezension eines Buches desselben Verlages in Erscheinung getreten, boten außer einer Inhaltsangabe kaum Anhaltspunkte für eine Wertung und ließen mich stark vermuten, sie seien entweder vom Verlag oder der zuständigen PR - Agentur veröffentlicht worden. Dementsprechend deutlich fiel meine Antwort an den Autor aus : ich nähme gern das Rezensionsexemplar entgegen, würde es auch rezensieren, allerdings könne er mit einer Gefälligkeitsrezension nicht rechnen. Ähnliches steht auch in meinen Richtlinien zur Annahme von Rezensionsexemplaren, ich habe es im Anschluß an diesen Kontakt noch einmal deutlicher gefasst. Erwartungsgemäß verzichtete der betreffende Autor dann doch auf meine Mitwirkung...
Ich wäre jetzt nicht ich, wenn ein solches Geschehen nicht einige allgemeinere Gedankengänge beförderte :
Vor ein, zwei Tagen gab es die Meldung, daß ein Spiele - Software - Hersteller ein Spiel an eine Computerspiel - Zeitschrift nur herausgeben wolle, wenn das Testurteil entsprechend positiv ausfiele. Das Buch "Kaufen ! statt Lesen!" von Gunther Nickel beschäftigt sich - allerdings nur im Ansatz - mit einem ähnlichen Phänomen im literarischen / feuilletonistischen Betrieb, gibt ansonsten allerdings eher ein Protokoll einer Konferenz vom 27.3.2004 "Literaturkritik. Zukunftsaussichten eines alten Gewerbes", die sich speziell mit Kundenrezensionen bei online - Buchhändlern beschäftigt. Dennoch bleibt die Grundfrage hoch interessant : inwieweit darf / soll Literaturkritik unabhängig sein, darf es Rezensionsexemplare geben, die an Wohlverhalten geknüpft werden, und ist Markterfolg - egal zu welchem Preis - alles. Welche Zusammenarbeit kann es noch mit Verlagen, Autoren oder PR - Agenturen geben, wenn die journalistische / bloggende Unabhängigkeit derart gefährdet scheint ?
Ich denke, es ist nicht abwegig, zu behaupten, allein die Platzierung einer Rezension im Netz oder in einer Zeitung, befördert die allgemeinen Zwecke des Buchmarketings, denn der Titel wird wahrgenommen, bei den etwas ausführlicheren Rezensionen beschäftigt sich der Leser auch weitergehender mit den Inhalten, Thesen und Herangehensweisen eines Autors und könnte - selbst bei einer negativen Wertung des Rezensenten - animiert werden, sich selbst anhand des Originaltextes mit einem Buch auseinanderzusetzen. Das allerdings setzt Relevanz des Mediums / des Rezensenten voraus, Verläßlichkeit und eine Grundlage an Vertrauen zu seinen Aussagen. Wo Buch - PR mehr - oder eigentlich : weniger - will, gerät das Unternehmen Buchkritik in eher problematisches Fahrwasser, denn schnell wird der Rezensent zum Jubelperser degradiert, Feuilleton - oder Blogleser für dumm verkauft. Ich kann mir durchaus intelligente Steuerungsmechanismen denken, die auch Zeitungskritiker in der einen oder anderen Weise beeinflussen könnten, etwa durch gezielte Zuordnung von Titeln zu bestimmten Medien oder Rezensenten, deren Vorlieben und Aversionen man eruiert hat, den Tausch Rezensionsexemplar gegen Meinung dürfte es aber in nennenswerter Weise bei etablierten Feuilletons nicht geben. Ich lasse mich aber gern eines besseren belehren, die Praxis, komplette Ratgeberartikel von durch Anbieter beauftragte PR - Unternehmen zu übernehmen, läßt da mögliche Entwicklungen vorausahnen.
Online scheint es da direkter zur Sache zu gehen. Schon die Verlinkung zu bestimmten online - shops sehe ich eher kritisch, denn schon da stößt man an die Grenzen der Unabhängigkeit, überschreitet sie aber nicht zwangsläufig. Größere Buchplattformen werden ohne Partnerprogramme schwerlich überleben können, bei kleinen Blogs, die entweder bei Gratis - Angeboten oder für wenig Gels gehostet werden können, sehe ich die Notwendigkeit einer Refinanzierung nicht wirklich. Konsequenterweise - beim Anbieter meines Hauptblogs ist eine kommerzielle Nutzung jeder Art nicht gestattet - bezahle ich dort sogar, um Nutzern den Anblick von durch den Anbieter geschalteter Adsense - Werbung zu ersparen.
Jeder freut sich, wenn ein Verlag an einen herantritt, um ein Rezensionsexemplar anzudienen, denn im günstigsten Fall erhält man als Rezensent ein Buch, mit dessen Kauf man eh schon liebäugelte oder dessen Inhalt einem entgegenkommt. Darauf scheinen vor allem kleinere Verlage, BoD - oder Eigenverlage zu spekulieren und das vermutlich nicht zu Unrecht. Das allerdings möchte ich auch darauf zurückführen, daß Buch - bzw. Rezensionsblogs eher nicht als ernstzunehmend wahrgenommen werden. Ich denke, mit genug Klinkenputzen bei den wichtigeren Verlagen, könnte man als regelmäßiger, ernsthafter Blogrezensent auch von größeren Verlagen Rezensionsexemplare unter Einhaltung der ethischen Norm - journalistische, inhaltliche und zeitliche Unabhängigkeit - erhalten, doch liegt es mir fern, betteln zu gehen.
Ansprechender sind für Verlage in jedem Falle Fans, etwa bestimmter Autoren oder Subgenres (Fantasy, besser noch All - Age - Fantasy, chicklit), die eher unkritisch in Büchern versinken, sinnlose Zitate aneinanderreihen und sie für Ergüsse höchster Weisheit oder mindestens für verlustfreie Spiegelungen ihres inneren Selbst halten. Lesen - egal welcher Mist da konsumiert wird - ist ein Wert an sich, es fehlen oft genug allein schon Belesenheit und kritischer Abstand, um überhaupt relevante Urteile über die Qualität von Büchern zu fällen. Ein weiteres Positivum ist die Ballung von Gleichgesinnten in solchen Blogs oder auch Foren, die sich gegenseitig bestärken, in ihren eigenen Blogs Werbung weitertragen und höchstbefriedigt seufzen. Man macht es da einfach, übernimmt oft genug - unter Umgehung aller Urheberrechte - Klappentexte oder amazon - Inhaltsangaben und fügt eine kaum fundierte, immer aber eher emotionale Bewertung dazu, bekommt dafür sehnsüchtige Kommentare - will auch, will auch - und fertig ist ungetrübtes Marketing vom Feinsten...
Will man das steigern, gründet man als Verlag eine Art von Leser / Rezensentenclub, lost regelmäßig für Kurzeindrücke Leseexemplare aus, die dann rezensiert werden sollen (Extrapunkte für schwarmartige Verbreitung auf anderen Plattformen wie eigenen Blogs oder in Foren).
Die Überlegung - und das zeigt ja auch a*ma*zon - ist im Grunde vom Marketinggesichtspunkt nicht verkehrt. Durch ernsthafte Literatur und ernsthafte Kritik werden nur Minderheiten, eher besser gebildet, literarisch vorgebildet und mit intellektuellerer Herangehensweise, wirklich angesprochen, dementsprechend ist das im Feuilleton widergespiegelte Marktsegment eher ein kleiner Ausschnitt der alljährlichen Buchproduktion, aber auch der eigentlich kaufenden und konsumierenden Leserschicht. Es wäre vermutlich auch nicht viel gewonnen, nähme sich das hochoffizielle Feuilleton solcher wackerer Kämpen wie Hohlbein, Heitz, Stephenie Meyer. Pilcher oder Evanovich an und zerisse sie gemütlich in der Art von Schecks Schnelldurchlauf durch die Bestsellerlisten, denn Fans und Leser mit betont emotionalem Zugang zu ihren eskapistischen Märchenreichen nähmen das entweder überhaupt nicht wahr oder filterten die für sie entstehenden Mißtöne schlicht aus.
Man kann daraus schließen, daß ich von den wenigsten Buchblogs oder auch Buchforen viel halte. Natürlich gibt es in jedem Forum eine erkleckliche Anzahl von Lesern, die sich um Relevanz in ihren Äußerungen bemüht (in einem der von mir besuchten Foren mögen es maximal 10 Prozent sein, eher weniger) und ähnlich düster sieht meine Einschätzung bei den unzähligen Bücher - und Rezensionblogs aus. Und hier schließt sich der Kreis dann doch, denn im Rahmen solcher Einschätzungen scheinen auch Autoren, PR - Menschen und Verlage ihre Aktivitäten zu streuen und eben unkritisches Entgegenkommen einzufordern. Buchblogs der genannten Art haben in meinen Augen, gerade für deren BetreiberInnen und LeserInnen womöglich eher soziale, sozialisierende Funktionen, weniger aber eine (hoch)kulturelle, die dem feuilletonistischen Ansatz - auch im Internet zu eigen sein müßte und meiner Einschätzung nach auch sollte. Dennoch will ich deren Existenz nicht generell in Frage stellen (meine Bloglist im Hauptblog listet sie unterschiedslos auf), doch mögen sie nicht zum Maßstab genommen werden, was Blogs und andere Plattformen im Umgang mit Büchern zu leisten vermögen und auch leisten sollten.
Man möge aus meiner Tirade nicht schließen, daß "ReadingEase" das beste aller möglichen Rezensionsblogs oder derartiger Internetprojekte sei, aber ich denke schon, es gehört zu den besseren (zu denen auch einige, wenige amazon - Rezensenten zu zählen wären). ;) Doch sind sie zu wenige, um gegen die schwätzende Flut der marketingkonformen, eher nichtssagenden Blogs anzukommen, zumal ja auch die Strategie der Verlage - und Buchhandlungen sich immer mehr von der Schaffung und dem Vertrieb kultureller Güter zur Gewinnmaximierung ändert.
Im Moment werde ich - nach Rücksprache - weiterhin Rezensionsexemplare annehmen, allerdings jede Rezension eines solchen Buches kennzeichnen. Sollten sich aber derartige unsittliche Angebote häufen, werde ich die Zusendung generell und strikt verweigern. Nötig hätte ich kostenlose Bücher nicht, allein den ungelesenen Bestand zu Rezensionen zu verarbeiten, nähme Jahrzehnte in Anspruch....
tinius - 11. Nov, 00:04
